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IPA 2017 – Calgary

Besuch der Triennal International Play Association Conference in Calgary

Spielmobile e.V. war mit seinen Mitgliedern Spiellandschaft Stadt e.V., PA/SPIELkultur e.V., Akademie der Kulturellen Bildung des Bundes und des Landes Nordrhein Westfalen e.V. und Abenteuerspielplatz Riederwald auf der Internationalen Spielkonferenz der International Play Association, die in Calgary vom 13.9. bis 17.9 2017 stattfand. Die beteiligten Vereine stellten ihre Arbeit in Foren und Workshops vor und konnten viele Kontakte zu Spielprojekten im Ausland knüpfen. Anregend für die Arbeit in Deutschland ist die mobile Arbeit in Kanada, die sich neu zu entwickeln beginnt.

Spielen mit dem Spielbus zu Förderung des Gemeinwesens
Der gemeinwesenorientierte Spielbus fährt in die Stadtteile und ermutigt die Eltern, mit den eigenen und fremden Kindern zu spielen und zu kommunizieren. Dazu bietet der Mitarbeiter vor allem Bücher an, die auf Leseinseln ausliegen, die man selber lesen kann oder aus denen vorgelesen wird. Gefällt den Kindern ein Buch, können sie es kostenlos mitnehmen, zu Hause weiterlesen und beim nächsten Spielbusbesuch wieder mitbringen. Sie können auch Bücher, die sie zu Hause haben und nicht mehr lesen, mitbringen und anderen Kindern zur Verfügung stellen.
Zusätzlich gibt zum Spielen Bälle, Kugeln, Ringe. Der Spielbus wird von einem Vanimatior geleitet, ein gelungenes Wortspiel für Fahrer und Spielleiter. Der Mitarbeiter ist Student, macht die Arbeit im Rahmen seines Studiums und er wird von einer Freiwilligen, einer verrenteten Lehrerin, begleitet und in seiner spielpädagogischen Arbeit unterstützt. Ihr Ziel ist es, Kindern in benachteiligten Stadtteilen Spiel und Lernmöglichkeiten vor die Haustür zu bringen und dafür zu sorgen, dass sie auch selber für sich und für das Gemeinwesen sorgen, indem sie eigene Bücher und Spielsachen für sich und andere mitbringen.

Spielen mit Material, das aus dem Alltag stammt und das von den Kindern kreativ genutzt werden kann
Seit zwei Jahren werden in Calgary, über eine Stiftung finanziert, Materialien aus dem Alltag von Pädagogen auf die Spielplätze gebracht, um hier kreative und abenteuerliche Erfahrungen zu ermöglichen. Die mitgebrachten Materialien sollen vor allem zu Bewegungsanlässen animieren und somit dafür sorgen, dass die kanadischen Kinder sich genügend bewegen.
Diese Projekte werden in Kanada mobile Adventure playgrounds genannt. Sie erinnern an die ersten Formen der Bewegungsbaustellen mit Alltagsmaterialien in Deutschland, wie sie bei Spielbussen und bei Bewegungspädagogen wie Klaus Miedzinski in den 80er-Jahren umgesetzt wurden. Die kanadischen Spielleiter möchten zeigen, wie vielseitig das Spiel mit Alltagsmaterial sein kann und wollen Eltern ermutigen, den Kindern diese ungewöhnlichen Spielmaterialien zugänglich zu machen. Die Aufgabe des Spielleiters ist hier, einerseits für die Sicherheit der Materialien zu sorgen, also auf versteckte Gefahren zu achten, eine Hauptaufgabe ist aber die Elternbildung, in der sie den Eltern den Sinn ihres Tuns erklären und diese ermuntern, den Kindern nicht nur Spielwaren zu Hause zur Verfügung zu stellen, sondern zuzulassen, dass Kinder ihr Zeug zum Spielen sich aus der Alltagswelt holen können. Besonders wichtig ist es ihnen, dass die Eltern wieder lernen, das Risiko im Spiel – das bei Alltagsmaterialien höher ist als bei TÜV geprüften Spielsachen – als positiv für das Leben ihrer Kinder anzusehen. Risiko als Herausforderung, um zu wachsen und stark zu werden, ist die Devise bei den mobilen Abenteuerspielplätzen.

Spielmaterial bleibt auf den Spielplätzen und steht für die Kinder und Eltern aus der Nachbarschaft zur Verfügung
In einem Stadtviertel, das gut vernetzt ist, ist ein Spielplatz gebaut worden, der sich dadurch auszeichnet, dass er mit einfachen Materialien vielseitig Entdeckungsmöglichkeiten und Beteiligungsmöglichkeiten bietet. So gibt es Kinder, die sich um den Garten kümmern, Erwachsene, die für die Bestückung der Spielkiste sorgen mit Hilfe der Stadt und Kinder, die den Platz gerne nutzen. Die Lage des Spielplatzes ist hervorragend, da er direkt neben einer Grundschule und einem Hort liegt und somit der Spielplatz der Kinder sowohl während der Schulzeit als auch in der Freizeit in ihrem Stadtteil ist. Schön ist, dass neben dem Spielplatz weitläufige Wiesen sind, ein Sportplatz mit Tartanbelag und ein Grillplatz. Auffällig ist, dass die Spielkiste offen ist, einiges Material auch auf dem Platz lose liegt und für alle zur Verfügung steht. Der Sportplatz wird nicht nur zum Fußball oder Handballspielen verwendet, sondern auch für den Fahrunterricht mit dem Fahrrad.

Alle Redner im Kongress wiesen darauf hin, dass das freie Spiel, das selbstorganisierte Spiel immer mehr im Verschwinden ist und damit eine wesentliche Ressource für ein eigenbestimmtes Leben in Gemeinschaft verloren geht. Gewonnen wird ein anderes Leben der weltweiten Vernetzung durch elektronische Medien, die nicht so unmittelbar ist wie das direkte Treffen und Spielen vor Ort.

Besonders beeindruckend waren die Eröffnung und der Abschluss des Kongresses durch Mitglieder der ersten Nation, die vor den Einwanderern in Kanada in enger Verbindung mit der Natur lebte, die Indianer. Vertreter verschiedener Stämme, die sowohl in Universitäten lehren als auch in hohen politischen Funktionen sind, haben auf der Tagung deutlich gemacht, dass es wichtig ist, die kulturellen Hintergründe jeder Gruppe in einem Land zu achten und zu verstehen. Bei den Indianern (first nation) gelten heute noch die Stammeszugehörigkeit, die Achtung der Weisheit der Älteren und die Neuentwicklung von neuen Lebensformen, ohne seine Herkunft zu verachten oder zu verleugnen.

Gerhard Knecht wurde wieder in das Council der IPA berufen, um dort die Spielinteressen und die Spielszene aus Deutschland zu vertreten. Die nächste Konferenz findet 2020 in Indien statt. Spielmobile e.V. wird wieder versuchen, einen Reisekostenzuschuss über die BKJ zu erhalten, so dass der internationale Austausch mit Spielinitiativen aus der ganzen Welt in Indien vielen Mitgliedern offensteht.

Wer Interesse hat, dort mitzufahren, bitte mit Spielmobile e.V., Gerhard Knecht in Verbindung setzen.

Weitere Informationen
Spielmobile e.V.
Gerhard Knecht
Albrechtstrasse 37
80636 München
Tel.: 089 12799 666
bag@spielmobile.de

Bericht: Gerhard Knecht

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