Geschichte

Es war einmal … eine Initiative Ende der 60er Jahre. Es waren junge Kunsterzieher, SozialpädagogInnen, Eltern, KünstlerInnen, StudentInnen, die in sehr lockerer Form und mit jeder Menge fachlichem, persönlichem, politischem Engagement sowohl in München wie in Nürnberg aktiv wurden: Raus aus den Schulen und Hochschulen, rein in die Stadtteile, Lebenswelten und Wohnquartiere der Kinder und Familien. Es war die Zeit und der Anfang der „Bürgerinitiativen“, der neuen „sozialen Bewegungen“, eben auch in Kunst, Kultur, Pädagogik und Bildung. Der Zeitgeist: „Mehr Demokratie wagen“ (Willy Brandt), „Alte Zöpfe abschneiden“, „Spielen kann man überall“, „Umwelt als Lernraum“, „Kultur für alle“, „Kinderhaben Rechte“, „Der lange Marsch durch die Institutionen“ … Veränderung war angesagt.

Wir waren mittendrin, als Aktionsgruppe „KEKS“ und als „paedaktion“, wir haben außerhalb der Systeme, Institutionen, offiziellen Zuständigkeiten und Strukturen unsere „Aktionen“ organisiert, auf Spielplätzen und in Museen, im ganzen Stadtgebiet und da und dort, bundesweit und auch auf der Biennale in Venedig …

Das kann man alles nachlesen, z.B. die 1.Spielaktion am Johannisplatz in Haidhausen 1971, die Spielaktion in Neuperlach, und auch Museumspädagogik im Haus der Kunst (1972), im Stadtmuseum, in der Lenbachgalerie usw. Ein Ansatz: Neue Räume, offene Spielanlässe und Partizipationschancen für Kinder in der Stadt. Wir nannten uns dann auch „Pädagogische Aktion“ (PA).

1972 waren in München Olympische Spiele, der erste „Spielbus“ fuhr sechs Wochen durch die Stadt, finanziert als „Extra“ vom Stadtjugendamt. Dabei waren u.a. Hans Mayrhofer, Gerd Grüneisl und Wolfgang Zacharias. Das mobile System wurde ab 1973 ausgebaut („Münchner Sommerspielaktion“) Im Lauf der 70er Jahre entstanden auch vielerlei kunst- und kulturpädagogische Projekte („KARUSSELL-Programm“), zunehmend finanziert von der Stadt München, Jugendamt. Ziel war von Anfang an die „kommunale spiel- und kulturpädagogische Landschaft“ für kreative, gestalterische, lustvolle Spiel- und Lernformen jenseits von Schule, z.T. aber in Kooperation mit ihr. Karla Leonhardt, Haimo Liebich, Norbert Erhard, Margit Maschek-Grüneisl, Albert Kapfhammer Gerd Knecht u.a. kamen im Lauf der 70er Jahre dazu. Als weiterer Mitarbeiter kommt 1990 Peter Suttner, zunächst als ZDL dazu. Die PA wurde im Lauf der Jahre offizieller und anerkannter „Maßnahmeträger“ des Stadtjugendamts München.

1974 wurde die „Pädagogische Aktion“ zum e.V. und der Etat wuchs von 0,00 DM (1970) auf ca. 800.000,00 DM (1979). Das erste Büro war 1973 in der Schönfeldstraße, dann von 1974 – 1981 in der Werneckstr. 7/ 9 und anschließend bis 1990 in der Schellingstraße. Ein politischer Konflikt konnte 1979 „gewonnen“ werden. Er war (entsprechend finanzieller Förderung durch die Stadt) existenzbedrohend.

1979: (Jahr des Kindes): Erstes Spielstadt-Projekt Mini-München im Olympiapark, Fortsetzung 1985/ 1986. 1983: Kauf des Freizeit- und Fortbildungshauses Frauensee und erste „Tage des Spiels“ im Olympiapark.

In den 80er Jahren entstand im Zusammenhang um die „Ökologie des Spiels“ das erste Netzwerk „AG Spiellandschaft Stadt“ (ab 1985) sowie das Konzept „Kommunales Koordinationsforum München (KoFo) und das Konzept „Kinder- und Jugendmuseum München (KJM)“ (ab 1987). KoFo und KJM würden 1990 vom Stadtrat einstimmig beschlossen, leider zunächst ohne Finanzierung.

Die Pädagogische Aktion (PA) wurde in den 70er, 80er Jahren bundesweit bekannt, es gab (und gibt) dazu jede Menge Veröffentlichungen. Wir haben z.B. die Gründung des Bundesverbands der Jugendkunstschulen und Kulturpädagogischen Einrichtungen (BJKE) mit initiiert, später auch die Gründung der Bundesverbände für Museumspädagogik (Mitte der 80er Jahre), der Spielmobile (BAG Spielmobile, Anfang der 90er Jahre) sowie des Bundesverbands Kinder- und Jugendmuseen. Die PA (Karla Leonhardt-Zacharias) war auch jahrelang Nationaler Repräsentant der IPA (Internationale Vereinigung für das Recht des Kindes zu Spielen).

1990 führte interne Konflikte zur Aufteilung der „alten“ PA in zwei Nachfolgeorganisationen: PA/ SPIELkultur e.V. (mit einem neuen Büro in der Reichenbachstr. 12) sowie Kultur und Spielraum e.V. (mit einem neuen Büro in der Müllerstraße, seit einigen Jahren in der Ursulastr.5)

PA/ SPIELkultur e.V. übernimmt die Arbeitsbereiche „Spielen in der Stadt“, Infostelle Spiel- und Kulturpädagogik sowie Museumspädagogik bzw. Kindermuseum (zunächst mit mobilem Programm. Neu entwickelte sich der Arbeitsbereich „Sinnenreich & Cyberspace“, der vor der Hintergrund der aktuellen Entwicklung der neuen Technologien die Bedeutung von Wechselwirkungen zwischen realen und virtuellen Erfahrungen betont. 1995 entsteht dazu auch die „AG Inter@ktiv“, das kommunale Netzwerk zur kulturellen Medienbildung in München.

1995 erhält das Kindermuseum seinen festen Sitz im „Starnberger Bahnhof“. 1999 erfolgt der Umzug des Büros von PA/ SPIELkultur e.V. in die Augustenstr. 47, wo auf nunmehr vier Stockwerken auch Veranstaltungsräume für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zur Verfügung stehen. Seit 1995 verstärkt Angelika Bauer das Team von PA/SK, Ute Haas ab 1997, Sebastian Ring ab 1999 und Martin Sailer unterstützt ab 1998 den Arbeitsbereich „Bildung der Sinne“.

2001 macht sich das KJM mit einem eigenen Verein „PA/ Kinder- und Jugendmuseum München e.V.“ selbständig (Regie Haimo Liebich/ Peter Suttner): Der Gesamtladen PA/ SPIELkultur e.V. droht zu groß zu werden! Die einzelnen Arbeitsbereiche entwickeln sich weiter gut, manche nennen es „Expansion durch Zellteilung“, auch finanziell …

2002 wird der Verein „PA/ Spielen in der Stadt e.V.“ gegründet und die kommunalen Aufgabenbereiche „Sommerspielaktion/ Spielmobile/ Spielräume“ an diesen übergeben. Die Organisationszentrale findet ihren Platz im 1.Stock der Augustenstr. 47 und Ute Haas, Monika Wunderlich und seit August 2003 Alexander Wenzlik übernehmen hier engagiert das Steuer.

2003/ 2004 ist PA/ SPIELkultur e.V. an der Gründung der Netzwerke „Kultur- und Schulservice München“ (KS:MUC) sowie der kooperativen kommunalen Jugendkunstschule (JKS) aktiv und initiativ beteiligt. Im Rahmen KS:MUC stellt PA/ SPIELkultur e.V. die Organisationsstelle und finanziert 2005 über Sondermittel modellhaft die Infrastruktur und Projekte. Als freie Mitarbeiterin kommt hier 2004 Julia Marx dazu.

Die „Leistungsbereiche“ 2005 – 2007, wie sie im Vertrag zwischen dem Geldgeber Stadtjugendamt München und PA/ SPIELkultur e.V. festgelegt sind:

  1. Erfahrungsräume, real und digital
  2. Kultur/ Schule/ Stadt
  3. Kommunale Netzwerkarbeit
  4. Vermittlung und Professionalisierung: Spiel-, Kultur- und Medienpädagogik
  5. Tage des Spiels (2005/ 2007)
  6. Kooperationen und Überregionales

Seit 2003/ 2004 gehen die öffentlichen Förderungen durch das Stadtjugendamt zurück (Konsolidierung): Innerhalb von drei Jahren wird der Zuschuss um insgesamt 46.000,00 EUR vermindert.

Dazu kommen noch vereinseigene Aktivitäten und Projekte

  • Überregionale Kooperationen und Vernetzungen
  • „Ehrenämter“ auf kommunaler, Landes- und Bundesebene
  • Freizeit- und Fortbildungshaus Frauensee
  • Veröffentlichungen (PA-Verlag)

Literaturempfehlungen zur Entwicklung der Pädagogischen Aktion bzw. PA/ SPIELkultur e.V.